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Gossauer, Alwina

Geboren: 1841
Gestorben: 1926

Tochter eines Buchdruckers und einer Obsthändlerin im zürcherischen Riesbach. 1859 Heirat mit dem Sattler Johannes Kölla, der sich in Zürich als Atelier-Fotograf betätigte. Nach einer Verurteilung wegen Fotografierens "nackter Weibsbilder in möglichst obscönen Stellungen" zog Kölla mit seiner Familie 1866 nach Rapperswil SG um. An der Schifflände richtete er ein Fotoatelier ein, das erste der Stadt, das er zusammen mit seiner Frau betrieb. Die frühesten bekannten Fotografien von Rapperswil stammen vom Ehepaar Kölla. Nach einer weiteren Verurteilung ihres Mannes, diesmal wegen Geldfälschung, übernahm Gossauer das Fotoatelier, das sie fast ein halbes Jahrhundert führte und damit die sechsköpfige Familie durchbrachte. Gossauer führte das Geschäft anfänglich unter dem Namen ihres Mannes, Kölla, später unter ihrem ledigen Namen. Als alleinstehende Frau erhielt sie einen gesetzlichen Beistand, der bis 1881 die Finanzen überwachte. 1893 baute sie an der Oberen Bahnhofstrasse ein stattliches Haus; im Parterre wurde die Kundschaft bedient, gewohnt wurde im ersten Stock, im zweiten Stock war das Atelier mit Glasdach untergebracht. Gossauer war eine der ersten professionellen Fotografinnen der Schweiz. Sie war seit 1896 Mitglied des Schweizerischen Photographenvereins. 1911 zählte der SPV 182 Mitglieder, mit Gossauer als einziger Frau. Gossauers Sohn Jean Kölla erlernte das fotografische Handwerk bei seiner Mutter, ebenso die ledig gebliebene Tochter Alwina Gossauer (1862-1946), die das Geschäft zusammen mit der Mutter leitete. 1920 wurde es von einer anderen Tochter und deren Mann Karl Stalder (1873-1943) übernommen und bis 1943 weitergeführt. Der gesamte Bestand an Fotoglasplatten aus dem Atelier Gossauer/Stalder-Kölla, der rund sieben Jahrzehnte umfasst, wurde im Zürichsee vor Rapperswil versenkt.

SAMMELPUBLIKATIONEN
Paul Hugger, «Das Berner Oberland und seine Photographen», Krebser, Thun 1995; «Rietmann, Gossauer, Maeder & Co. Neues zur St. Galler Fotografiegeschichte», Neujahrsblatt 159, Historischer Verein des Kantons St. Gallen, St. Gallen 2019.

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