Hans Staub, Tellensöhne an der Landesausstellung, Zürich 1939.
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von Gloeden, Wilhelm

Geboren: 18.9.1856, Völkshagen
Gestorben: 16.2.1931, Taormina I

Nach dem Studium von Kunstgeschichte und Malerei übersiedelte von Gloeden 1876 wegen eines Lungenleidens nach Taormina in Sizilien. Vertraut mit der Fotografie, erwarb er sich beim ortsansässigen Fotografen Giovanni Crupi viel fototechnisches Wissen. Von Gloeden interessierte sich für Landschaft und Bevölkerung Siziliens, neben Porträtstudien von Landarbeitern entstanden ab 1880 auch erste Knabenakte in antikisierendem Setting, mit denen von Gloeden zu einem Pionier der künstlerischen Aktfotografie wurde. Als seine adlige Familie in finanzielle Not geriet, wurde aus der Fotografie, bislang als Liebhaberei betrieben, ein Broterwerb. Um die Jahrhundertwende begann von Gloeden, seine Aufnahmen als Portkarten zu vertreiben. Bereits ab 1883 war er in Fotoausstellungen in London und Berlin vertreten und wurde zu einer lokalen Berühmtheit, sogar im Baedeker fand sein Atelier Erwähnung. Seiner Freundschaft mit dem Bürgermeister und seinen guten Beziehungen zur lokalen Bevölkerung wegen ist es wohl zu verdanken, dass von Gloeden keine Probleme wegen seiner homosexuellen Neigungen und dem offenen Verkauf der Aktaufnahmen erwuchsen. Vielen seiner Modelle blieb er zeitlebens verbunden, einige beteiligte er an den Gewinnen aus dem Fotogeschäft. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste von Gloeden Italien verlassen. 1918 kehrte er nach Taormina zurück, doch fotografierte er kaum mehr. Von Gloeden hinterliess rund 3000 Aufnahmen, die von der Polizei Mussolinis grösstenteils wegen Vorwurfs der Pornografie vernichtet wurden. Der Grossteil seiner Arbeiten befindet sich wohl im Besitz privater Sammler. In den sechziger Jahren wurde von Gloedens Werk im Zuge der sexuellen Revolution wiederentdeckt.

EINZELPUBLIKATIONEN
«Wilhelm von Gloeden», Amelio, Neapel 1978; «Wilhelm von Gloeden, Photograph» (Kat.), Galleria del Levante, München 1979; «Akte», Rimbaud-Presse, Aachen 1983; «Wilhelm von Gloeden», Rimbaud-Presse, Aachen 1984; «Wilhelm von Gloeden - Sehnsucht nach Arkadien», Nishen, Berlin 1987; «Akte in Arkadien», Harenberg, Dortmund 1992; «Wilhelm Von Gloeden», Taschen, Köln 1993; «Le fotografie di von Gloeden», TEA, Mailand 1996; «Taormina», Schirmer/Mosel, München 1998; «Wilhelm von Gloeden: fotografie ritrovate dell'Istituto Statale d'Arte di Firenze 1899 - 1902», Polistampa, Florenz 2000; «Wilhelm von Gloeden: fotografie. Nudi, paesaggi, scene di genere», Alinari 24 Ore, Florenz 2008; «Wilhelm von Gloeden : travestimenti, ritratti, tableaux vivants», Podtmedia Books, Mailand 2013.

SAMMELPUBLIKATIONEN
Galleria del Levante, München 1979 («Wilhelm von Gloeden, Photograph»); «Wilhelm von Gloeden, Wilhelm von Plüschow, Vincenzo Galdi: italienische Jünglings-Photographien um 1900» (Kat.), Janssen, Berlin 1991; «Vincenzo Galdi, Wilhelm von Gloeden, Wilhelm von Plüschow. Aktaufnahmen aus der Sammlung Uwe Scheid», Rimbaud, Aachen 1993; «Wilhelm von Gloeden – Auch ich in Arkadien», Böhlau, Köln 2007.

EINZELAUSSTELLUNGEN
Kunsthalle, Basel 1979 («Baron Wilhelm von Gloeden (1856–1931)»); MEWO Kunsthalle, Memmingen 2008 («Wilhelm von Gloeden – Auch ich in Arkadien»).

GRUPPENAUSSTELLUNGEN
Janssen, Berlin 1991 («Wilhelm von Gloeden, Wilhelm von Plüschow, Vincenzo Galdi: italienische Jünglings-Photographien um 1900»).

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