Anonym, Porträt einer Frau, Daguerreotypie, 1856

Phoenix Park on a Sunday, Dublin, 1966 © Evelyn Hofer Estate

Evelyn Hofer
Begegnungen

29. Februar bis 24. Mai 2020

Entdeckungsreisen durch amerikanische Grossstädte, Sozialstudien in einem walisischen Dorf, Besuche in Künstlerateliers oder eine Porträtserie aus dem Bergell – Evelyn Hofer hat ein fotografisches Kaleidoskop geschaffen, das fast ein halbes Jahrhundert umfasst. Das Werk der deutsch-amerikanischen Fotografin, die eine enge Beziehung zur Schweiz pflegte, ist facetten-reich und bunt. Bereits in den 1950er Jahren fotografierte sie auch in Farbe: Sie nutzte diese dezidiert als Gestaltungsmittel und war damit ihrer Zeit weit voraus. Mit der Grossformat-kamera konzentrierte sie sich auf das Wesentliche und schuf oft malerische Fotografien, deren Zeitlosigkeit und Stille heute wieder zu entdecken sind.
Die Ausstellung in der Fotostiftung Schweiz vereint Evelyn Hofers unterschiedliche Arbeiten in einer umfassenden Werkschau. Die Städteporträts in Buchform, essayistische Bildstrecken für Magazine sowie ihre freien Arbeiten werden nebeneinander gezeigt. Dieser Reigen von Bildern in feinen Grautönen und starken Farben berührt uns durch die Wärme, mit der Evelyn Hofer Momente für die Ewigkeit eingefroren hat. Sie begegnet ihrem Gegenüber – sei das eine Stadtlandschaft, ein Interieur, eine Bäuerin aus Soglio oder Andy Warhol – stets mit derselben Neugierde und Offenheit.

In Zusammenarbeit mit der Galerie m, Bochum, und dem Evelyn Hofer Estate, München.

 

Landsgemeinde, Hundwil, 1949 © Andrea Frank Foundation;
courtesy Pace/MacGill Gallery, New York

Robert Frank
Memories

6. Juni bis 11. Oktober 2020

Der kürzlich verstorbene Robert Frank zählt zu den bedeutendsten Fotografen unserer Zeit. Sein 1958 zuerst in Paris und im Jahr darauf in New York erschienenes Buch The Americans ist vielleicht das einflussreichste Fotobuch des 20. Jahrhunderts. Als eine Art fotografisches Roadmovie entwirft es ein düsteres Gesellschaftsporträt, das damals ganz Amerika aufschreckte. Und sein persönlicher, zwischen Dokumentation und subjektivem Ausdruck changierender Stil veränderte die Nachkriegsfotografie radikal.
Doch The Americans war kein spontaner Geniestreich. Bereits in Franks Frühwerk gibt es Vor- und Nebengeschichten, die enge Verbindungen zu Themen und Bildern seines legendären Buchs aufweisen. Die Fotostiftung Schweiz verfügt über eine Kollektion von kaum bekannten Arbeiten – viele davon Schenkungen des Künstlers –, an denen sich die Verfestigung von Franks subjektivem Stil nachvollziehen lässt. Neben Essays aus der Schweiz und Europa umfasst sie auch Werke aus den USA der frühen 50er Jahre, die den bekannten Klassikern ebenbürtig sind, aber aus editorischen Gründen unpubliziert blieben. Im Zentrum der Ausstellung Robert Frank – Memories steht die erzählerische Kraft von Franks Bildsprache, die sich gegen alle Konventionen entwickelte und erst dann internationale Anerkennung erfuhr, als sich Frank bereits von der Fotografie verabschiedet und dem Medium Film zugewandt hatte.

Die Ausstellung wird von einer Präsentation der Bücher begleitet, die der Verleger Gerhard Steidl während mehr als 15 Jahren mit Robert Frank realisiert hat.
 

Aus der Serie «La dame au crâne rasé», 1978 © MANON / Pro Litteris

Manon
Einst war sie La dame au crâne rasé

24. Oktober 2020
bis 14. Februar 2021

Mitte der 1970er Jahre gab sich eine junge Künstlerin den programmatischen Namen «Manon». Mit ihren Auftritten als Femme fatale, provokanten Performances und Installationen mischte sie die Zürcher Kunstszene auf, stellte Männer in einem Schaufenster aus oder präsentierte ihr von laszivem Dekor überbordendes Schlafzimmer als Lachsfarbenes Boudoir in einer Galerie.
Manon ist Drehbuchschreiberin, Bühnenbildnerin, Regisseurin und Schauspielerin, aber auch Fotografin. Mit dem Werkzeug der Kamera arbeitet sie bis heute an Selbstporträts und Stillleben. Sie konstruiert ihre Bilder mit kompositorischem Feingefühl, spielt mit subtilen Verweisen auf Kunstgeschichte und Popkultur und bringt gleichzeitig existenzielle Wünsche und Ängste zum Ausdruck. Manons fotografisches Oeuvre ist ein Reigen der Schönheit und der Vergänglichkeit, angeführt von La dame au crâne rasé, der legendären Serie aus den Jahren 1977/78. Die Heldin dieses traumhaften Fotoromans, die mit ihrem kahlgeschorenen Schädel androgyn und sexy, verletzlich und dennoch unantastbar cool ist, taucht nicht zuletzt im späteren Langzeitprojekt Hotel Dolores wieder auf.