Yvan Dalain, Salatwettbewerb, Biel um 1955.

© Céline Brunko

Fotobibliothek in der Passage: Kinderbücher mit Fotografie

10. Februar bis 21. Mai

Mehrteilige
Ausstellungsreihe

 

Die «Passage» ist das begleitende Ausstellungsformat des Fotozentrums im Korridor der Fotostiftung Schweiz. Auf 25 Metern Wandfläche werfen wir regelmässig Schlaglichter auf historische und zeitgenössische Positionen der Fotografie. Die gegenwärtige Reihe ist dem Fotobuch gewidmet.

Kinderbücher werden in der Alltagssprache oft als Bilderbücher bezeichnet und die beiden Begriffe synonym verwendet. Es wird davon ausgegangen, dass Bücher mit Bildern für Kinder und Bücher mit Text für Erwachsene gemacht sind. Fotobücher jedoch sind natürlich auch Bilderbücher – meistens allerdings an ein erwachsenes Publikum gerichtet – und damit das beste Beispiel dafür, dass diese Analogie zu kurz greift.

1930 publiziert Mary Steichen Calderone Das erste Bilderbuch. Alltägliche Dinge für Kleinkinder. 24 Fotografien ihres Vaters Edward Steichen zeigen Gegenstände aus der Lebenswelt eines Kleinkindes: einen Teddybär, eine Haarbürste, einen Milchbecher. Die nächsten rund 20 Jahre bleibt die Anzahl der Fotobücher für Kinder überschaubar. Einer der Gründe dafür liegt in der Zurückhaltung gegenüber der Fotografie im Kinderbuchbereich. Man empfand die Wirklichkeitsnähe fotografischer Bilder im Gegensatz zur Zeichnung oder anderen manuellen Illustrationstechniken als hinderlich für die Entfaltung der Fantasie der Kinder.

Ab den 1950er Jahren steigt die Produktion von Kinderbüchern mit Fotografie an. In Lausanne bringt zum Beispiel die 1936 gegründete Guilde de Livre, das französischsprachige Pendant zur Büchergilde Gutenberg, eine Reihe von Titeln heraus, die allesamt von FotografInnen bebildert werden. Ab den 1980er Jahren nimmt das Interesse wieder ab, und heute gibt es nur noch wenige Neuerscheinungen, während sich ältere Titel wie Mein Esel Benjamin aus dem Jahr 1968 längst zum Klassiker entwickelt haben.

Das Verhältnis von Bild und Text ist bei Kinderbüchern mit Fotografie sehr unterschiedlich. Manche Titel wie Kinderbilderbuch von Jesper Høm und Sven Grønløkke oder Franz & René von Franz Hohler und Eduard Widmer kommen ganz ohne Text aus. Sie funktionieren als chronologische Bildergeschichte oder als spannungsgeladene Bildabfolge ohne lineare Narration. Bei anderen dienen die Fotografien in herkömmlicher Weise als Illustration einer in Textform erzählten Geschichte, manche auf Grundlage eines Spielfilms. Es gibt Lehrbücher, die spielerisch beim Zählen oder beim Erkennen von Formen helfen. Wieder andere sollen Kinder auf die Geburt eines Geschwisterchens vorbereiten oder die Eltern bei der Aufklärung ihres Nachwuchses unterstützen. 

Nicht selten werden Puppen in Szene gesetzt und abfotografiert, so wie bei Amadou von Alexis Peiry und Suzi Pilet, später bei Baski von Heinrich Gohl und Martin Hächler. Das mit Abstand wichtigste Thema und Motiv für Kinderbücher mit Fotografie sind allerdings Tiere. Geschichten von Jungtieren, die Abenteuer erleben, Kinder, die sich mit Tieren anfreunden, oder Einblicke in die Tierwelt mit dem didaktischen Ziel, das Interesse der Kinder für die Natur zu wecken. «Klick!», sagte die Kamera von Balthasar Burkhard nimmt dabei eine besonders prominente Stellung ein indem der Akt des Fotografierens von Tieren selbst zum Thema gemacht wird.

Ausgangspunkt für die aktuelle Ausstellung in der Passage ist neben dem Bestand der Fotobibliothek die Kinderbuchsammlung von Luca Beeler, Cédric Eisenring und Carmen Tobler aus Zürich. Aus ihrem seit 2014 aufgebauten Bestand mit rund 300 Kinderbüchern der Nachkriegszeit präsentieren wir in der mittleren Vitrine eine Auswahl jener Titel, bei der die Fotografie eine wichtige Rolle spielt.


Kuratiert von Matthias Gabi, Leiter Fotobibliothek.

Zur Recherche im Katalog der Fotobibliothek.