Martin Glaus, Zeitungskiosk, Spanien 1958.

Monique Jacot - Retrospektive

3. Juni bis 21. August 2005

  

Die Westschweizer Fotografin Monique Jacot (geboren 1934 in Neuchâtel) hat sich vor allem mit Arbeiten wie Femmes de la terre / Frauen auf dem Land (1989) und Cadences - L'usine au féminin / Fabrikarbeiterinnen - Leben im Akkord einen Namen gemacht. In diesen breit angelegten, während Jahren verfolgten Projekten dokumentierte sie feinfühlig und engagiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen auf dem Land und in der Industrie. Vorläufer zu diesen fotografischen Feldforschungen finden sich schon in Monique Jacots fotojournalistischen Arbeiten: Seit Mitte der fünfziger Jahre war die Fotografin für verschiedene Zeitschriften und Organisationen tätig (u.a. Die Woche, Du, Geo, Annabelle, Elle, Vogue, Weltgesundheitsorganisation) und bewies dabei immer wieder einen scharfen Blick für die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Milieu - sei es in den frühen Reportagen aus Las Vegas oder New York, sei es in den Bildberichten über Mädcheninternate in England oder Frankreich, wo sie den Alltag in Frauengemeinschaften beobachtete.

Neben solchen dokumentarischen Arbeiten suchte Monique Jacot aber seit den siebziger Jahren auch nach Bildern, in denen die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verfliessen. Mit grösseren thematischen Serien, Einzelwerken sowie Destillaten aus Reportagen spürte sie dem verborgenen Sinn des Lebens nach. So entstanden zum Beispiel Stilleben voll rätselhafter Zeichen, Landschaftsbilder mit irritierenden Fundstücken, poetische Meditationen, in denen Aussenwelt und Innenwelt ineinander verschmelzen, oder Bilder von Räumen, die surreale Geschichten erzählen. Gerade bei diesen freieren Arbeiten schöpfte Monique Jacot auch die vielfältigen Möglichkeiten aus, die ihr die Fotografie bot: von der klassischen Schwarzweiss-Aufnahme über das Polaroidverfahren bis hin zu den farbigen Transfers, bei denen der direkte Kontakt zwischen Negativ und Aquarellpapier zu einer malerischen Verfremdung des Gesehenen führt.

In der Schweiz gehört Monique Jacot zu den wenigen Frauen ihrer Generation, die über Jahrzehnte hinweg kontinuierlich ihren fotografischen Weg verfolgt und sich dabei in verschiedene Richtungen weiter entwickelt haben. In ihrem Werk spiegelt sich auch der Wandel der Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie das Pendeln zwischen Auftragsarbeit und freiem künstlerischen Gestaltungswillen. Die monografische Ausstellung der Fotostiftung Schweiz gibt zum ersten Mal einen Überblick über das reiche Gesamtwerk der Fotografin und macht deutlich, dass zwischen den verschiedenen, parallel geführten Ebenen ihres Schaffens durchaus ein innerer Zusammenhang besteht.

Das Buch zur Ausstellung:
Monique Jacot, hrsg. von Peter Pfrunder. Mit Texten von Matthias Christen, Christophe Gallaz, Sylvie Henguely, Nathalie Herschdorfer, Guido Magnaguagno und Peter Pfrunder. 216 Seiten, ca. 200 Duplex- und Farbabbildungen