Hans Staub, Turnstunde, um 1940.

Lichtspuren. Daguerreotypien aus Schweizer Sammlungen 1840 bis 1860

2. Dezember 2006 bis 18. Februar 2007

Daguerreotypien, die ersten fotografischen Bilder auf versilberten und polierten Kupferplatten, haben seit ihrer Bekanntmachung durch den Französischen Staat im August 1839 die Massen fasziniert. Das vom französischen Maler Louis Jacques Mandé Daguerre erfundene Verfahren war revolutionär. Mit ihm bildete sich die Natur quasi selbst und mit "frappanter Ähnlichkeit" ab, ohne jegliches Dazutun eines Künstlers. Von vielen damaligen Kritikern als mechanische und damit tote Abbilder verschrien, sind Daguerreotypien heute auf fast unheimliche Art lebendige und stimmungsvolle Zeugnisse der Frühzeit der Fotografie: weit offene Fenster in eine längst vergangene Epoche.

Die Ausstellung der Fotostiftung Schweiz präsentiert zum ersten Mal seltene Unikate aus der Collection W.+T. Bosshard, einer der bedeutendsten privaten Daguerreotypie-Kollektionen Europas. Eine Auswahl von gegen 150 Bildern wird das Spektrum der Themen aufzeigen, mit denen sich die Daguerreotypisten bis ca. 1860 befassten: von verschiedenen Varianten der Porträtfotografie - dazu gehören auch Porträts von Tieren und inszenierte Genrebilder - über Landschafts-, Architektur- und Sachaufnahmen bis hin zur frühen Moment- und Reisefotografie sowie der damals im Verborgenen praktizierten erotischen Aktfotografie. Da viele frühe Daguerreotypisten ursprünglich Maler waren, nehmen ihre Werke fast selbstverständlich einen Platz in der damaligen Bildproduktion ein. Und doch waren sie so anders als die gängigen Lithographien, Stiche, Zeichnungen oder Gemälde (denen sie nicht selten als Vorlage dienten). Schon die frühesten Daguerreotypien zeichneten sich durch eine höchst differenzierte Tonwertwiedergabe, einen enormen Detailreichtum und eine fast greifbare Plastizität aus. Kurz: diesen "Spiegeln mit einem Gedächtnis", wie Daguerreotypien von Zeitgenossen etwa genannt wurden, war eine an Magie grenzende Abbildungsqualität eigen, die auch uns heutige Betrachter in ihren Bann zieht. Trotzdem hatte diese Technik nur eine relativ kurze Blütezeit; bereits um 1860 wurde die aufwendige Herstellung von fotografischen Unikaten durch die wesentlich ökonomischeren, reproduzierbaren Negativ/Positivprozesse abgelöst, die wir heute kennen. Die Ausstellung "Lichtspuren" ist die erste umfassende Ausstellung zur Daguerreotypie in unserem Land. Sie ist zur Hauptsache bestückt aus der Collection W.+T. Bosshard und wird ergänzt durch Werke aus der Sammlung der Fotostiftung Schweiz sowie weitere Leihgaben. Vertreten sind unter anderen die Schweizer Daguerreotypisten Jean-Gabriel Eynard (Genf), Carl Durheim (Bern), Friedrich Gysi (Aarau), Samuel Heer (Lausanne), Johann Baptist Isenring und Johann Baptist Taeschler (beide St. Gallen) sowie Franziska Möllinger (Solothurn).

Die Ausstellung wird unterstützt von OSRAM AG, Winterthur. Memoriav unterstützt die Restaurierung der Daguerreotypien in der Fotostiftung Schweiz.

Gleichzeitig erscheinende Publikation:
René Perret, Kunst und Magie der Daguerreotypie. Collection W.+T. Bosshard, 230 Farbabbildungen, Hardcover, 29X23 cm, 248 Seiten, BEA + Poly-Verlags AG, Brugg 2006.