Hans Staub, Schweizer Frauenturntage, Aarau 1932.

Alles wird besser – Fotografien von
Hans Steiner

28. Mai bis 9. Oktober 2011

Fotostiftung Schweiz, Winterthur, 28. Mai bis 9. Oktober 2011
Vernissage: 27. Mai, 18-21 Uhr
Führungen

Hans Steiner (1907–1962) hat ein äusserst vielfältiges Werk hinterlassen, das neben Reportagen und Porträts auch Bilder für Werbung, Mode und Industrie umfasst. Ab den dreissiger Jahren erschienen seine Bildberichte in Zeitschriften wie Schweizer Illustrierte oder Sie & Er, nach dem Krieg fotografierte er u.a. für Die Woche. Gegen Ende seiner Karriere organisierte Hans Steiner seine Bilder in einem riesigen Archiv, bestehend aus rund 100’000 nach Stichworten abgelegten Sujets. Für die erste Hans Steiner-Retrospektive wurde dieses Archiv systematisch ausgewertet. Die Ausstellung «Alles wird besser» beleuchtet hauptsächlich den Schweizer Alltag der Nachkriegszeit. Und sie ruft in Erinnerung, dass es auch in schwierigen Zeiten unbeschwerte Momente gab.

Schwimmbad, Bern, 1945-1950
© Musée de l’Elysée

Modeaufnahme im Freien, um 1960
© Musée de l’Elysée

Im Vergleich mit anderen Fotoreportern seiner Zeit wird deutlich, dass Steiner keine politischen oder sozialkritischen Ziele verfolgte. Während sich Zeitgenossen wie Hans Staub, Paul Senn oder Theo Frey häufig mit den Aussenseitern der Gesellschaft solidarisierten oder Misstände anprangerten, stellte Steiner eher die positiven Seiten des Lebens dar: er widmete sich mit Vorliebe all den kleinen Ereignissen und Phänomenen, die so etwas wie Glücksmomente im harten Alltag bedeuteten. Sport, Autos, Frauen, urbanes Leben, Freizeitvergnügungen, Reisen in fremde Länder, Fliegen oder technische Errungenschaften nehmen in seinem Werk einen wichtigen Platz ein.

Die erste Rolltreppe in Bern, Warenhaus Loeb, 1957
© Musée de l’Elysée

Gritli Schaad und Fritz Schreiber nach dem neuen Segelflugrekord, 1936
© Musée de l’Elysée

Auch stilistisch unterscheidet sich Hans Steiners Fotografie von anderen fotojournalistischen Werken, die einem strengen Dokumentarismus verpflichtet sind. Viele seiner Aufnahmen – insbesondere die Auftragsarbeiten für Industrie und Werbung – wurden subtil arrangiert; sie zeichnen sich durch meisterhafte Lichtführung und eine prägnante grafische Bildsprache aus. Die gezielten gestalterischen Interventionen stossen heute wieder auf grosses Interesse, entsprechen sie doch einem modernen ästhetischen Empfinden, das nicht zuletzt durch neuere künstlerische und fotografische Arbeiten geschult wurde: Die strikte Trennung zwischen «inszenierten» und «authentischen» Bildern ist für viele jüngere Fotoschaffende obsolet geworden. Vor diesem Hintergrund kann auch Steiners Bilderwelt neu gelesen werden.

«Aus den Fotos und den von Hans Steiner verfassten Bildtexten sprach stets etwas Aufbauendes. Auf diese Weise wollte er der Zerrissenheit unserer Zeit entgegenwirken», würdigte ein Journalist das Schaffen des Berner Fotografen. Ein grosser Teil seines Werks widerspiegelt in exemplarischer Weise den Fort-schrittsglauben der fünfziger Jahre und die Zuversicht, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Das Flugzeug, das sich unbeschwert in die Lüfte erhebt, mag ein Sinnbild für Steiners Optimismus sein – es ist ein wiederkehrendes Sehnsuchtsmotiv in seinem Archiv.

Peter Pfrunder

Eine Ausstellung des Musée de l’Elysée, Lausanne, kuratiert von Daniel Girardin und Jean-Christophe Blaser, in Zusammenarbeit mit der Fotostiftung Schweiz.

Publikation: Hans Steiner – Alles wird besser. Hrsg. Daniel Girardin, Jean-Christophe Blaser, Musée de l’Elysée, Lausanne / Limmat Verlag 2011.