Henriette Grindat, Am Times Square, New York 1968.

René Mächler – Am Nullpunkt der Fotografie. Fotografien und Fotogramme 1952 - 2004

2. September bis 19. November 2006

  

Der 1936 in Zürich geborene, im aargauischen Zuzgen lebende René Mächler hat sich als konsequenter Vertreter der "konkreten Fotografie" international einen Namen gemacht. Seit Jahren werden seine Werke in Ausstellungen in der Schweiz und im Ausland gezeigt und sind in renommierten öffentlichen sowie privaten Sammlungen vertreten. Obwohl die konkrete Fotografie vor allem in ihrer Beziehung zur Kunst der Moderne immer wieder Beachtung findet, dringt sie als eigenständige künstlerische Richtung der Fotografie nur langsam ins öffentliche Bewusstsein. Es erstaunt daher nicht, dass René Mächlers einzigartiges fotografisches Werk, das während der letzten vierzig Jahre in einem kontinuierlichen Schaffensprozess entstanden ist, erst heute umfassend gewürdigt wird.

Schwarzes Quadrat mit strahlendem Insert, 1991<br />© René Mächler /<br />Fotostiftung Schweiz
Horizont VI, 1997<br />© René Mächler /<br />Fotostiftung Schweiz
Weisses Quadrat IV, 1977/97<br />© René Mächler /<br />Fotostiftung Schweiz

René Mächler verfolgte nach seinem Studium an der Staatlichen Höheren Fachschule für Photographie in Köln (1958-60) konsequent seinen künstlerischen Weg. Zwar bildete lange die Fotografie als Abbildung der sichtbaren Realität die Basis seines Schaffens, doch rückte er mehr und mehr formale Aspekte und den bewussten Einsatz der fotografischen Mittel in den Vordergrund. Schliesslich verzichtete René Mächler ganz auf die Kamera und begann mit rein bildnerischen Methoden, inspiriert vom Konstruktivismus und László Moholy-Nagys Konzept der "reinen Lichtgestaltung" der 1920er Jahre, fotografische Werke zu gestalten. Mächler liess dabei auch die Abstraktion der Wirklichkeit hinter sich und wandte sich hin zu "Konkretionen von der in der Fotografie enthaltenen bildnerischen Möglichkeiten" (Gottfried Jäger). Zu Bildern also, die ausschliesslich aus den ureigenen Elementen der Fotografie, dem Licht und dem lichtempfindlichen Material, entstanden.

Obwohl Mächler in seiner künstlerischen Arbeit vorwiegend die Grundelemente der klassischen Schwarzweiss-Fotografie in der "unendlichen Weite zwischen Schwarz und Weiss" - so der Titel eines seiner Werke - erforscht, bezieht er immer auch neuste, der Fotografie mindestens verwandte Technologien wie Video und Digitalbild in seine rigorosen, systematischen Bildrecherchen ein. Mit seiner aufs Wesentlichste reduzierten fotografischen Arbeitsweise und seiner konsequenten ästhetischen Haltung schuf René Mächler ein äusserst vielfältiges, dichtes und reiches künstlerisches Werk: von den seriellen Luminogrammen über die konstruktiven Fotogramme zu Themen der geometrischen Grundformen und die das Licht selbst thematisierenden "Reflexionen" bis hin zur fast vollständigen Auflösung des Bildes in Serien wie etwa "Das Verschwinden eines Quadrates" (1998).

René Mächlers Werk ist zwar ein Solitär in der Landschaft der Schweizer Fotografie, doch in unserer Zeit des immer beliebigeren und unverbindlicheren digitalen Rauschens der Bilder, ist es mehr denn je aktuell: eine starke, eigenständige künstlerische Position, ein Versuch, "dem Chaos dieser Welt eine Ordnung aus reinen Elementen und spannungsvollen oder ausgewogenen Beziehungen entgegenzusetzen" (Willy Rotzler).

Stunde Null, 1968<br />© René Mächler /<br />Fotostiftung Schweiz
Konstruktion, 1990<br />© René Mächler /<br />Fotostiftung Schweiz
Aus der Serie "Paysages de femme", 1961<br />© René Mächler /<br />Fotostiftung Schweiz

Das Buch zur Ausstellung:
Martin Gasser / Fotostiftung Schweiz (Hg.), René Mächler - Am Nullpunkt der Fotografie. Fotografien und Fotogramme 1952-2004. Mit Texten von Martin Gasser, Hella Nocke-Schrepper, Gottfried Jäger, deutsch / englisch; ca. 200 S/W- und Farbabbildungen, Hardcover, 224 Seiten, Niggli Verlag, Sulgen / Zürichn2006.