Jahresprogramm 2010

- Ruth von Morgen, 1934
© Marianne Breslauer
/ Fotostiftung Schweiz
27. Februar bis 30. Mai 2010
Marianne Breslauer – Fotografien
„Interessiert hat mich nur die Realität, und zwar die unwichtige, die übersehene, von der grossen Masse unbeachtete Realität.“
Marianne Breslauer (1909–2001) gehört zu jenen Fotografinnen, die das Bild der selbstbewussten „neuen Frau“ im Berlin der zwanziger Jahre prägten. 1929 arbeitete sie u.a. im Atelier von Man Ray in Paris, anschliessend trat sie ins Fotoatelier des Berliner Ullstein Verlags ein und veröffentlichte ihre Bilder in verschiedenen Zeitschriften. Ihr sehr persönlicher Blick galt den Menschen und Details am Rande des urbanen Lebens. Nach einer Reise mit Annemarie Schwarzenbach 1933 leitete die Gleichschaltung der Presse in Deutschland jedoch schon bald das Ende ihrer viel versprechenden Karriere ein. Es blieben ihr nur noch wenige Publikationsmöglichkeiten in der Schweiz, wohin sie schliesslich emigrierte. Noch vor dem 2. Weltkrieg gab sie die Fotografie auf und widmete sich dem Kunsthandel. Marianne Breslauers erste umfassende Retrospektive belegt ihre künstlerische Position zwischen dem radikalen Realismus des "Neuen Sehens" und der subjektiven Reportage.
Zur Ausstellung erscheint eine Monografie im Nimbus Verlag.

- Orange Cowboy (Ikone IX)
© Hannes Schmid
12. Juni bis 19. September 2010
Hannes Schmid – Never Look Back
Der heroische Cowboy, der durch die endlos scheinende Prärie reitet und nie zurück schaut, ist ein moderner Mythos, der entscheidend von fotografischen Bildern geformt wurde – so etwa in der legendären Werbekampagne mit dem Marlboro-Mann. Während rund acht Jahren hat der Schweizer Hannes Schmid unzählige Fotografien für diese Kampagne realisiert. Seine aufwendigen Inszenierungen, durch Inserate und Plakate weltweit verbreitet, haben unsere Phantasien von Freiheit und Abenteuer immer von neuem beflügelt. Was ist das Geheimnis hinter dem Erfolg dieses Mythos? Wie erfindet man Szenen, die so einprägsam sind, dass sie – auch unabhängig vom eigentlichen Werbezweck – in unseren kollektiven Bilderschatz eingehen? In der Ausstellung der Fotostiftung Schweiz gibt Hannes Schmid Einblick in die Erzeugung einer perfekten Illusion. Seine Fotografien und Gemälde beleuchten „The Making of...“, aber auch das Weiterleben eines Helden, der neben Micky Maus, Tarzan oder Barbie zu den einflussreichsten Figuren gehört, die gar nie existierten.

- Zürich, 2007
© Ruth Erdt
2. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011
Ruth Erdt – Die Lügner
Seit 25 Jahren arbeitet Ruth Erdt an einem fotografischen Projekt, das mit ihrer Biografie und den Menschen ihrer nächsten Umgebung eng verknüpft ist. Dabei geht es ihr nicht um ein realistisches Abbild der eigenen Welt. Vielmehr findet sie im Privaten und Vertrauten den Stoff für fiktive Erzählungen um Personen, die auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden sind – Figuren, die sich immer wieder neu erfinden, neu inszenieren, um sich von den Fesseln der Wirklichkeit zu befreien: „Ich mag Lügner. Leute, die mit kleinen Notlügen ihren Alltag manipulieren und einen anderen Sachverhalt vorgaukeln. Ich meine damit nicht Manipulationen, mit denen man Menschen einen Schaden zufügt. Sondern die kleinen Verschiebungen der Realitäten, die schnellen Geschichten und Erfindungen, damit man den Anforderungen von aussen gewachsen ist.“ Ruth Erdts Fotografien zeigen zärtliche und schmerzliche Begegnungen, stille und heftige Momente, Glück und Melancholie – eine intensive Chronik der Gefühle.
Zur Ausstellung erscheint das neue Buch von Ruth Erdt: Die Lügner. Kodoji Press, Baden.

- Porto, 1998
© Hugues de Wurstemberger
2. Oktober 2010 bis 13. Februar 2011
Hugues de Wurstemberger – Pauline & Pierre
Parallel zur Ausstellung „Die Lügner“ von Ruth Erdt präsentiert die Fotostiftung Schweiz die Arbeit „Pauline & Pierre“ des in Brüssel lebenden Schweizers Hugues de Wurstemberger – auch sie eine faszinierende Gratwanderung zwischen Traum und Wirklichkeit. Hauptfiguren sind die beiden Kinder des Fotografen, festgehalten in Bildern, die sich einer streng dokumentarischen Lektüre entziehen. Der unbefangenen Wahrnehmung von Pauline und Pierre folgend, entdeckt Hugues de Wurstemberger eine fragile Welt voller Wunder und Geheimnisse; eine Welt, in der Bilder mehr bedeuten als Worte, in der die Magie des Augenblicks stärker ist als die Stimme der Vernunft. So entwickelt er aus den kleinen Fragmenten des Alltags eine grosse und gültige Geschichte. „Pauline & Pierre“ ist weit mehr als ein Familienalbum. Es ist eine Meditation über Flüchtigkeit und Dauer, Nähe und Distanz, Ankunft und Abschied, Werden und Vergehen. Eine lyrische Reise in den verlorenen Garten der frühen Jahre, wo das Vergangene so real erscheint wie Gegenwärtiges und Zukünftiges, die Fiktion so wahr wie die Fakten.
Publikation: Hugues de Wurstemberger: Pauline & Pierre. Editions Quo Vadis, Bruxelles.
