Henriette Grindat, Am Times Square, New York 1968.
Flavio de Barros
Gefangene Mitglieder der Religionsgemeinschaft der Canudos, Bahia, 1897

Flavio de Barros
(Lebensdaten unbekannt)

Dank der Fotografie ist die Geschichte zu einem Gesicht gekommen.
Neben die schriftlichen Zeugnisse sind Bilder getreten. So sind wir über das 19. Jahrhundert, in dem die Fotografie erfunden wurde, zum ersten Mal visuell über eine Epoche orientiert - sei es über den Krimkrieg oder den Sezessionskrieg in den USA. Brasilien erlebte ebenfalls einen Krieg, der in der Fotografie wie in der Literatur seinen Niederschlag fand. Ende des 19. Jahrhunderts war im Inneren Brasiliens die Glaubensgemeinschaft der Canudos entstanden, die einen Kleinstaat im Staat bildete. Da die Canudos keine Autorität anerkannten und somit weder Steuern noch Zölle bezahlten, ging die Regierung mit einer Militärexpedition gegen sie vor, was in einem blutigen Abschlachten endete. Der Fotograf Flavio de Barros dokumentierte das Geschehen. Zu seinen Fotos gehört auch das von der Gefangennahme einiger Canudos. Seine Bilder sind die ersten Beispiele in der brasiliansischen Fotografie, die ein historisches Ereignis festhalten. Der Bericht über die Canudos von Euclides de Cunha „Os sertões“ (1902; deutsch „Krieg im Sertão“, 2000) wurde ein Klassiker der brasilianischen Literatur.

Hugo Loetscher

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Kurzbiographie

Der Ruhm dieses praktisch unbekannt gebliebenen brasilianischen Fotografen gründet auf den 69 Fotografien aus der sogenannten Guerra de Canudos (1896/97), einer Schlüsselepisode der Geschichte Brasiliens. Im Dorf Canudos im Hinterland hatte sich um den lokalen Priester eine Art urchristliche, urkommunistische Gemeinschaft gebildet, die jeden Tribut an den Staat ablehnte. Das Militär setzte der Bewegung von Canudos ein blutiges Ende. Barros begleitete die Armee, seine Fotografien aus den letzten Tagen des Feldzuges sind die einzigen Bildzeugnisse und bilden die illustrative Ergänzung zum monumentalen Buch Krieg im Sertão des Journalisten Euclides da Cunha.