Anonym, Porträt von 3 Kindern, Ferrotypie, 1860er-1870er Jahre
Dorothea Lange
Father of landless Sharecropper Family, Macon County,

Dorothea Lange
(1895, Hoboken, New Jersey – 1965, San Francisco)

„Vater einer landlosen Pächtersfamilie in Macon County (Georgia)“ ist eine der Fotografien, mit denen Dorothea Lange das Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit veränderte. Als Roosevelt mit seinem „new deal“ eine neue soziale Verantwortung propagierte, wurde „farm security“ für die unter der Depression leidende Landbevölkerung lanciert. Um die Notwendigkeit eines solchen Grossprojektes zu legitimieren, wurde die Fotografie als Propagandamittel eingesetzt. Die USA sollten von einer USA Kenntnis nehmen, von denen viele keine Ahnung hatten. Eine prominente Teilnehmerin dieses fotografischen Aufklärungsprogramms war neben Walker Evans, Gordon Parks und Ben Shan Dorothea Lange. Sie hatte sich bereits als engagierte Fotografin ausgewiesen. Nachdem sie ihr erfolgreiches Porträtstudio in San Francisco aufgegeben hatte, hatte sie sich als Sozialreporterin der Depression betätigt. An der Tür zu ihrer Dunkelkammer war zu lesen: „Die Betrachtung der Dinge, so wie sie sind, ohne Ersatz oder Betrug, ohne Irrtum oder Unklarheit, ist eine edlere Sache als eine Fülle von Erfindungen.“

Hugo Loetscher

Bilddatenbank >>>

Kurzbiographie

Kurse beim Fotografen Clarence H. White, Gründungsmitglied der piktorialistisch ausgerichteten «Photo-Secession» in New York, Volontariate bei anderen Fotografen. Eröffnung eines eigenen Porträtstudios in San Francisco 1919. Während der Grossen Depression richtete Lange sich auf soziale Themen aus. 1935 bis 1939 arbeitete sie für die Farm Security Administration (FSA). Diese Behörde war 1935 während des New Deal von der Roosevelt-Regierung ins Leben gerufen worden mit dem Auftrag, die ländliche Armut zu bekämpfen. Das Foto «Migrant Mother» (1936), das eine Wanderarbeiterin mit ihren Kindern zeigt, wurde zu einer Ikone der Fotogeschichte. 1943-1945 arbeitet Lange für das Office of War Information und dokumentierte die in Lagern internierten Japaner in den USA. Ab 1945 unterrichtete sie an der California School of Fine Arts, wo die erste Fotoklasse der USA auf universitärem Niveau eingerichtet wurde. 1952 gehörte Lange zu den Gründern der Fotozeitschrift Aperture.