Hans Baumgartner, Seeüberquerung mit dem Fahrrad, am Bodensee 1963.
August Sander
Der Ingenieur, 1928

August Sander
(1876, Herdorf/Deutschland - 1964, Köln)

Zu bewundern ist, wie das Typische ein individuelles Gesicht bekommt. „Der Ingenieur“ ist nicht das Porträt einer Privatperson. Dargestellt werden soll ein Typus. Dem entsprechend hat der Fotograf das Foto den „Handwerkern“ zugeordnet, einer der Gruppierungen, in die August Sander seine Porträtaufnahmen einteilte. Er hatte nichts Geringeres vor, als enzyklopädisch und typologisch die „Menschen des 20. Jahrhunderts“ zu porträtieren. Berücksichtigt wurden aber am Ende die Bauern, Frauen, Sportler und Künstler seiner Wohn- und Arbeitswelt, Rheinland/Siegerland oder Westerwald. So kam 1929 unter dem Titel „Antlitz der Zeit“ eine Auswahl von „sechzig Aufnahmen deutscher Menschen“ zustande. Seine deutschen Menschen entsprachen nicht den Ideal-Deutschen, wie sie der Nationalsozialismus feierte. Das Buch wurde 1936 verboten. „Die Wahrheit zu sehen müssen wir vertragen können“, bekannte er, „vor allem aber sollen wir sie unseren Mitmenschen und der Nachwelt überliefern, sei es günstig oder ungünstig für uns“. Mit seinem Porträtstil wurde er Vorbild für soziokulturelle Portfolios vieler Fotografen.

Hugo Loetscher

Bilddatenbank

Kurzbiographie

1890-1896 Grubenarbeiter. Militärdienst 1897-1899, Mitarbeit im Atelier des Fotografen Georg Jung in Trier. Wanderjahre als Fotograf mit Stationen in Berlin, Dresden, Leipzig, Magdeburg, Halle. Fotoatelier in Linz an der Donau 1901-1910. Übersiedelung nach Köln, Eröffnung eines Fotostudios. 1925 Pläne für das Langzeitprojekt «Menschen des 20. Jahrhunderts», das alle Gesellschaft- und Berufsgruppen umfassen sollte und auf 600 Aufnahmen angelegt war. Eine erste Kostprobe dieses epochalen Werks lieferte Sander 1929 mit dem Fotoband Antlitz der Zeit, der 1936 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Sander mit einem Arbeitsverbot belegt, sein Kölner Atelier während eines Luftangriffs zerstört. Nach dem Krieg erstellte Sander eine umfangreiche Bilddokumentation des zerstörten Köln.