Hans Staub, Sportbegeisterte, 1930.
Ohne Titel, aus der Serie 'Poste mon amour', 2001-2008 © Jean-Luc Cramatte

Jean-Luc Cramatte –
Inventar

3. März – 28. Mai 2012

Seit rund 20 Jahren beschäftigt sich Jean-Luc Cramatte mit der Idee des fotografischen Inventars. Cramatte, 1959 in Porrentruy geboren, ist ein obsessiver Bildersammler – eigene Fotografien interessieren ihn ebenso wie gefundene Bilder. Seine Untersuchungen der sichtbaren Welt beruhen immer auf eigenwilligen Konzepten und lenken den Blick auf Unscheinbares und Übersehenes. Dabei denkt und arbeitet Cramatte gerne in Serien. In Form von fotografischen Bestandesaufnahmen durchleuchtet er humorvoll und kritisch die «Normalität» unserer Gegenwart und liefert damit eine aufschlussreiche Ethnographie des Alltags. Die Ausstellung der Fotostiftung Schweiz stellt einige von Cramattes fotografischen Inventaren vor und präsentiert einen Rückblick auf die 1996 gegründete «Enquête fribourgeoise», ein von Cramatte mitinitiiertes Projekt, bei dem jüngere Fotografen mit der visuellen Erfassung des Kantons Fribourg beauftragt werden.

 

Oktoberfest, München 1954 © Kurt Blum / Fotostiftung Schweiz

Kurt Blum –
Das fotografische Werk

9. Juni – 14. Oktober 2012

Der 1922 in Bern geborene Kurt Blum gehört zu den herausragenden Schweizer Fotografen der Nachkriegszeit. Ab den 1950er-Jahren realisierte er zahlreiche Reportagen für Zeitungen und Zeitschriften, daneben entstanden aber immer auch freie künstlerische und experimentelle Arbeiten, die er unter anderem in Ausstellungen präsentierte. So nahm er zum Beispiel 1951 an der wichtigen Ausstellung «subjektive fotografie» in Saarbrücken teil. Schwerpunkte von Blums Schaffen sind Künstlerporträts («Au milieu des artistes», 1994), Werkgruppen zu den Themen Musik, Tanz und Theater sowie intensive fotografische und filmische Auseinandersetzungen mit Industrie und Arbeit («Lebendiger Stahl», 1961). 1983 hatte ihn zwar der Kanton Bern mit dem «Grossen Preis für Photographie und Film» geehrt, doch eine umfassende Gesamtschau seines fotografischen Werkes kam Zeit seines Lebens nie zustande. Die Fotostiftung Schweiz holt dies nun mit einem Buch- und Ausstellungsprojekt nach, das auf der detaillierten Aufarbeitung und wissenschaftlichen Erschliessung des Kurt Blum-Archivs beruht.

 

Abwasserbecken einer Lebensmittelfabrik, Provinz Henan, 2011 © Andreas Seibert

Andreas Seibert –
Huai He

27. Oktober 2012 – 17. Februar 2013

Nach seinem vielbeachteten Projekt «From Somewhere to Nowhere – China’s Internal Migrants» (Lars Müller Publishers, 2008) hat der in Tokio lebende Schweizer Fotograf Andreas Seibert ein neues Thema angepackt, mit dem er die alltägliche Wirklichkeit und die Herausforderungen des heutigen China beleuchtet. Im Zentrum steht der rund 1000 Kilometer lange Huai He (Huai-Fluss), dem Seibert von der Quelle bis zur Mündung entlang gereist ist. In eindrücklichen Bildern dokumentiert er die Kehrseite des wirtschaftlichen Aufschwungs, die sich in der Verschmutzung und Vergiftung einer zentralen Lebensader spiegelt. Seiberts engagierte Reportagen berichten vom Drama, aber auch von der Würde einer Bevölkerung, die den entfesselten Kräften der Globalisierung ausgesetzt ist und sich damit zu arrangieren versucht.